Traditionell trendige Weihnachtszeit – der Countdown läuft!
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Das Jahr neigt sich dem Ende zu & der Bürger in deutschen Landen scheint, glaubt man den entsprechenden Sendungen im TV & Radio, hat dieser Tage nur ein Problem: Wie feiert man das Fest des Jahres 2011 richtig oder besser zeitgemäß trendig?

Da mich das bis jetzt noch nie wirklich interessiert hat, fallen mir diese Sendungen zum Thema besonders auf. Die Themen neben den aktuellen Horrormeldungen weltweit sind in diesen Tagen daher auch: Wie viel wird vom Durchschnittsbürger dieses Jahr für Weihnachtsgeschenke ausgegeben? (Es klingt wie eine kleine Empfehlung des Einzelhandels & nicht wie eine wichtige Nachricht)

Welches Produkt liegt am häufigsten unterm Baum? (aktuelle Werbung schreibt: „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“) Das klingt schon fast nach einem Battle – Christbaum vs. Weihnachtsgeschenk, also bedeutet es in seiner Konsequenz – Wunsch vs. Realität.

Mindestens genauso melodramatisch wichtig ist die Frage: „Wie sollte der Baum an sich sein?“ Will man es trendig in den eigenen 4 Wänden krachen lassen? Natur, Plastig, Golden, Rot, Grün oder besser in Silberfarben, vielleicht auch ein gewagt schrilles Bunt?

Die Frage aller Fragen, die sich nur die Händler stellen ist aber auch dieses Jahr:
Ernährt der alljährlich provozierte Konsumrausch den Einzelhandel oder ist dieser vom Aussterben bedroht?

Fragen, die offensichtlich ganz Deutschland interessieren, nur mich ausschließlich peripher tangieren. Ich stell mir da eigentlich ganz andere Fragen. Wieso möchte ich einen Besuch des Weihnachtsmarktes auf keinen Fall nüchtern durchstehen? Wieso mutieren ansonsten Ganzjahresatheisten im Dezember zu Hobbychristen & suggerieren ihren Nächsten „Nehmen ist seliger, denn geben?“

Was ist denn dieses Jahr unter Nächstenliebe zu verstehen? Die traditionelle Version – liebe Deinen Nächsten, erst recht wenn es die schöne Nachbarin ist – oder eher die trendige Variante? Beweise Deinen Nächsten mit aussagekräftigen & teuren Geschenken wie viel sie Dir Wert sind? Schließlich sind wir alle doch mehr oder weniger käuflich.

Was angeblich mal mit Myrrhe, Salbei & Weihrauch angefangen hat, scheint bei iPhone, iPad & 3D Flatscreens angekommen zu sein. Nicht pilgern sondern senden ist die Bewegung der trendigen Weihnacht. Nicht in sich gehen & beten steht an, sondern extrovertiert shoppen für den Heiligenschein. Ich frag mich trotzdem, muss das wirklich sein und meine NEIN.

Der Geist der Weihnacht (oder was man heute dafür hält) zieht trotzdem durchs Land & Coca-Cola hat den Tourneeplan seiner Trucks inklusive der „Rot-Weißen-Werbeikone“ längst zur Umsetzung frei gegeben. Die auffällige Ähnlichkeit dieses greisen weißhaarigen Mannes mit dem über Jahre in Kinderköpfe gepflanzten Aussehen des Weihnachtsmannes, ist kein Zufall!

Wir lassen uns doch dieser Tage gern verarschen. Wir wollen doch wenigstens ein paar Tage im Jahr an eine bessere Welt glauben. Auch wenn wir es besser wissen müssten. Wir wollen diesen Schein, vor allem aber wollen wir dabei und auf keinen Fall allein sein.

Trotzdem muss ich mich jedes Jahr um diese Zeit selber fragen, warum setze ich mich kritischer mit einer Tradition auseinander, die gar nicht die meine ist – schließlich bin ich gar kein Christ. Offensichtlich nur ein nörgelnder Atheist.

Und trotzdem wünsche ich allen die es sich alljährlich geben wollen, Frohe Weihnachten, überlaufene Konsumtempel, Gewissensbisse weil das Geschenk vielleicht nicht teuer genug war & natürlich den obligatorisch überzogenen Dispo, denn die Quittung dafür bekommt jeder.

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Autor: Null Dreinull Wer ist das?
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